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July 29, 2011

Händler sucht Frau – Teil 3: Call to Action nach Erstkontakt

Email, weil’s schnell geht und umsonst ist  

 

erdmute.viereck@arscheimer.de


Jetzt gibt’s für Sie noch viel mehr MICH!


Liebe Frau Viereck,

wir hoffen, Sie haben Ihren traumhaften Abend mit MICH genossen – trotz oder vielleicht sogar wegen unseres kleinen Malheurs mit dem flambierten Ouzo und Ihren teuren Wildlederschuhen.


Leider haben Sie das überaus großzügige Folgeangebot ausgeschlagen, MICH noch besser, sozusagen hautnah kennen zu lernen. Sicherlich brauchten Sie nur ein wenig Bedenkzeit.


Deshalb hier ein sensationeller Vorschlag:

Treffen am Samstag, dem XX.XX.2011 bei MICH zu Hause, Hirniweg 4! Bis dahin sind Ihre Augenbrauen auch garantiert wieder nachgewachsen.


Das Beste daran: Sie wählen die Getränke (weil Sie die auch mitbringen müssen). Eine Vielzahl von Verhütungsmitteln aller Art ist allerdings vorhanden.


Klicken Sie JETZT auf „Reply“ und sagen Sie JA!


Mit freundlichen Grüßen


Hans Handel

Chief of Charming


PS: Bringen Sie am besten Ihre Wildlederschuhe mit: MICH hilft nämlich auch gegen Körperflüssigkeiten auf empfindlichen Gegenständen!

July 29, 2011

Rockt das Haus!

„So, ihr Pfeifen – jetzt macht euch mal endlich locker im Schritt!“

Wie bitte? Nein, wir sind hier nicht auf dem Fußballplatz. Der Herr, der da gerade so berufsjugendlich aufgeregt herumzappelt und seine Mannschaft zu neuen Höchstleistungen antreiben will, ist auch nicht der Bundestrainer, sondern seines Zeichens Geschäftsführer einer Werbeagentur.

„Haut, verdammt noch mal, so richtig auf die Brause!“

Dass man einander „in der Werbung“ nicht siezt, sondern duzt, dürfte sich spätestens seit „Anna und die Liebe“ auch unter Branchenfremden herumgesprochen haben. Was das Fernsehen mangelhaft bis ungenügend abbildet, ist freilich die Mischung aus Führerbunker-Durchhalteparolen und Mantafahrerkneipen-Sprech, die selbst manche Agenturchefs in fortgeschrittenem Alter noch für den im Rahmen der dienstlichen Unterweisung von Mitarbeitern alternativlosen Umgangston halten.

„Was’n das für ’ne schwule Kacke!? Ihr müsst da viel mehr Gas geben!“

Wir sprechen hier, wohlgemerkt, von ziemlich gut entlohnten Kräften, die sich viel darauf zugute halten, stets den richtigen Tonfall zu treffen (im Werber-Pidgin auch gern „Tonality“ genannt) und die, wenn man ihren Versicherungen Glauben schenkt, sämtliche Register ihrer Muttersprache so ausgezeichnet beherrschen, dass sie im Golfclub ebenso wenig für hochgezogene Augenbrauen und gerunzelte Stirnen sorgen würden wie im Vereinsheim der Hell’s Angels oder bei der Schwangerschaftsgymnastik.

„Ich will heute abend nur noch echt geile Scheiße auf meinem Tisch sehen, klar!?“

Warum nur ist der Eindruck, der in internen Agenturbesprechungen meist entsteht, ein ganz anderer? Damals, im Halbstarkenalter, habe ich auch gern und oft getestet, welche Verbalinjurien wie bei welcher Zielgruppe ankommen. Im Falle meiner Eltern war die Reaktion ziemlich berechenbar: So, meinten sie meist, könne ich mit meinen Freunden sprechen, aber nicht mit ihnen. „So kannst du später mal im Büro mit deinen Kollegen reden!“ hingegen haben sie kein einziges Mal gesagt, daran würde ich mich erinnern.

„Ey, Leute – ich sag’s nur einmal: Das muss funky sein!“

Wenn Sie sich also das nächste Mal darüber wundern, dass irgendein Texter Sie mal wieder für schwerhörig, gehirnamputiert oder beides zu halten scheint, dann sagen Sie sich bitte einfach Folgendes: Verantwortlich für die Anzeige im Kasernenhofton ist wahrscheinlich nicht die Kreativabteilung einer Werbeagentur (dort arbeiten nämlich oft durchaus höfliche Menschen, die den Halbstarken-Jargon mit dem Ende ihrer eigenen, erfolgreich bewältigten Pubertät abgelegt haben), sondern ein schwerhöriger Gehirnamputierter, der schon im Alter von 13 Jahren immer nur von sich auf andere geschlossen hat und sich noch nie vorstellen konnte, dass Briefings und deren Ergebnisse anders klingen können als das, was Sänger von drittklassigen Heavy Metal-Kapellen ihrem Publikum vom Bühnenrand entgegenbrüllen: Rockt das Haus!

July 28, 2011

Mythische Figuren der Werbung – Heute: Die Arschelmännchen

Vor langer Zeit sollen einer Legende nach in Köln wundersame Geschöpfe gewirkt haben: die Heinzelmännchen. Diese dienstbaren Geister kamen des Nachts in die Stuben der Menschen und putzten, räumten auf, buken Brot und erledigten auf wundersame Weise das gesamte Tagwerk der Menschen in Köln, so dass diese sich ihres Lebens erfreuen konnten. Allerdings waren die Heinzelmännchen auch sehr scheu und als sie ein Mal bei ihrem Wirken beobachtet wurden, verschwanden sie für immer.

So weit die Legende. Die Wahrheit dahinter ist aber ganz anders und viel schlimmer. Denn eine besonders aufstiegsorientierte Familie der Heinzelmännchen beschloss irgendwann, ihrem jüngsten Sohn höhere Bildung zu Teil kommen zu lassen und schickte ihn zum Wirtschaftstudium an die Universität zu Cölln. Nach nur drei Semestern Grundkurs Businesskasperei kam der Sprössling eines Tages nach Hause und erläuterte seiner Familie, dass das entgeltlose House-Keeping-Business eine total beschissene Eigenkapitalrendite habe und dass die Beschränkung auf den Raum Köln einem steten Wachstum im Weg stünde. Stattdessen schlug er vor, künftig im Marketing zu arbeiten, da dort “die dicke Kohle” zu holen sein und man dafür “nicht mal was können muss”.

Völlig begeistert schmissen sämtliche Heinzelmännchen ihren Job und änderten ihren Namen in “Arschelmännchen”. Seit dem bevölkern sie unerkannt bis heute die Marketingabteilungen dieser Welt und machen über Nacht aus guter Werbung beschissene Reklame. Sie basteln fürchterliche Störer in schöne Anzeigen, ersetzen gute Headlines durch schreckliche Wortspiele oder verändern Copys so lange, bis nicht mal mehr die Dekrypto-Abeilung der NSA noch herausbekommen könnte, worum es geht. Kurzum: Die Arschelmännchen zerstören die Arbeit von Textern und sie haben Spaß dabei. Sie sind eben echte Ärsche.

Also, wenn ihr das nächste Mal furchtbare Werbung seht, dann verteufelt die Arschelmännchen und denkt kurz an den armen Texter, der in diesem Moment eine bittere Träne weint, weil wieder ein Stück seiner Seele gestorben ist.

PS: Dieser Eintrag ist der Erste in unserer Reihe über mythische Figuren in der Werbung. Freut euch also schon auf das unheimliche Wör-Ding, den grausamen Aufhänger, den brutalen Eye-Catcher und viele weitere mehr.

March 11, 2011

Händler sucht Frau – Teil 2 “Der Reminder”

Postkarte teiladressiert (um noch mehr Kosten zu sparen)


An alle an MICH interessierten Frauen im Haus

Musterstraße 12

12345 Musterstadt

Na? Schon MICH bestellt?

Liebe Interessentin,

vor einigen Stunden habe ich Ihnen ein sensationelles Angebot gemacht: MICHvöllig gratis für einen wundervollen, für Sie erst einmal völlig unverbindlichen Abend am Samstag, dem XX.XX.2011!

Sicher hat Sie mein Schreiben nicht erreicht, denn Sie haben bis jetzt leider noch nicht reagiert.

Lassen Sie sich MICH nicht entgehen! Wenn Sie in den nächsten 10 Minuten antworten, erhalten Sie zum Abendessen noch einen Aperitif* und ein Dessert** gratis dazu!

Einfach “AU JA!“ per SMS an die 01234 / 56789 senden und los geht’s!

Mit freundlichen Grüßen

 

Hans Handel

Chief of Charming

PS: Jetzt aber fix: dieses Angebot gilt nur noch bis Samstag, dem XX.XX.2011!

*wahlweise eine kleine Cola oder ein stilles Wasser                        ** Kindereisbecher “Pinocchio”

March 11, 2011

Händler sucht Frau – Teil 1 “Kaltakquise!”

Personalisiertes Anschreiben, Selfmailer (um Kosten zu sparen)


Sehr geehrte Frau [Vorname] [Nachname],

kennen Sie schon MICH?

MICH ist Ihr freundlicher Stalker von nebenan und schon seit über 40 Jahren erfolgreich auf dem Markt.

Speziell für Sie, liebe Frau <Vorname> <Nachname>, habe ich heute ein ganz besonderes Angebot:

Ein kostenloses* Abendessen mit MICH am Samstag, dem XX.XX.2011!

Verpassen Sie nicht diese einmalige Gelegenheit, MICH in entspannter Atmosphäre kennen zu lernen!

Interessiert? Dann einfach den Antwort-Vorteils-Spar-Kennernlern-Coupon ausschneiden, ausfüllen und per Fax an die 01234 / 56789 schicken.

Sie erhalten dann Ihr persönliches MICH-Kennenlern-Starter-Paket und das GRATIS!

Mit freundlichen Grüßen

Hans Handel

Chief of Charming

PS: Zögern Sie nicht zu lange! Wenn weg, dann weg!

*Zwei Gänge in einem gut-bürgerlichen Lokal. Hauptgang maximal 5,79 €, ein nichtalkoholisches Getränk inklusive.

February 23, 2011

Junger Mann zum Mittexten gesucht!

So und nicht anders müsste eine ehrliche Stellenanzeige für meinen aktuellen Stall aussehen:

Junger Mann zum Mittexten gesucht!

Gute Texter zu finden, sei schwierig, sagt man. Zumindest für uns! Im Verbund mit unserer Onlineschwester verschleißen wir nunmehr 80 Festversklavte im historischen Teil einer ehemaligen Besserungsanstalt für gewalttätige Jugendliche.

Wir wachsen stabil und nachhaltig horizontal. Ein ehrliches, klischeefreies Arbeitsumfeld ist uns wichtig. So halten wir beispielsweise nichts von dem Klischee, dass zufriedene Mitarbeiter bessere Leistung bringen.

Gehalt zahlen wir weder nach Leistung, noch nach Betriebszugehörigkeit, sondern nur nach Sympathie. Spezialisiert in den Bereichen Verkaufsverhinderung und Anbrüllmarketing, betreuen wir die meisten unserer Kunden schon länger als wir uns das gedacht haben. Hinzu kommen Projekte in den Bereichen Kunstwerkelogistik und Keller aufräumen.

Wir bieten Arbeitsbedingungen, wie Sie sie bisher noch nicht erlebt haben. Agenturübliche Wochenenden gehören nicht dazu, bei uns existieren keine Wochenenden. Die Bezahlung nach Fähigkeit ist selbstverständlich – ausgeschlossen. Die Übernahme von Verantwortung ist für uns wichtig, denn dann sind Sie schuld. Verstärken Sie unser Texterteam als …

Texter und Juniortexter (gleichzeitig)

Bitte bewerben Sie sich bei uns, wenn Sie Lust am Schmerz haben, sich nicht an Hierarchien messen, sondern jede noch so dämliche Aufgabe so machen wie befohlen. Teilen Sie uns mit, wann Sie beginnen möchten und was Sie Ihrem jetzigen Besitzer wert sind. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung an:

Geronimo Nackenschlag

c/o Werbeagentur Ballermann

Mickie-Krause-Ring 6

 12345 Groß-Möchtegernstadt

February 15, 2011

Der multioptionale Verbraucher: heute ungebildet, morgen nicht.

Seine Kunden zu kennen ist heute ja wichtiger denn je. Schlaue Menschen haben deshalb Modelle entwickelt, in denen Konsumenten nicht einfach Konsumenten sind, sondern, z. B., „moderne Performer“ oder „Postmaterielle“.

Allem Anschein nach hat Agenturkunde Kaufmich & Dusau sogar eine eigene Verbraucher-Typologie entwickelt. Nix Genaues weiß man allerdings nicht, weil Kaufmich & Dusau Informationen, aus denen andere Kunden schon mal Briefings machen, in der Regel als geheime Verschlusssache betrachten, die nicht einmal für den Dienstgebrauch an die Agentur weitergereicht werden darf. Die Art und Weise, wie sich die Mitarbeiter von Kaufmich & Dusau über die Kunden des Unternehmens äußern, lässt allerdings vermuten, dass zwei der Kundentypen „Dem Blöden sein Gehilfe“ und „Wandelndes Lexikon mit praller Brieftasche“ heißen dürften.

Was das Klassifizierungssystem von Kaufmich & Dusau einzigartig macht, ist seine ungeheure Flexibilität: In Abhängigkeit von Jahreszeit, Mondphase und nicht näher bekannten Imponderabilien wechseln nämlich Kunden aus der einen in die andere Klasse (umgekehrt natürlich auch). 

So kann ein Kunde von Kaufmich & Dusau anscheinend in einem Moment weltgewandt genug sein, um im Spezialitätenregal von Kaufmich & Dusau „Macaroni & Cheese“ und anderen Convenience-Produkte aus den USA zu suchen, gleich im nächsten Moment aber wiederum zu blöde, um zu wissen, dass „Uncle Sam“ nicht der Erfinder der gleichnamigen Klamottenmarke ist. Für Feinschmecker, die des Lesens unkundig sind, hat Kaufmich & Dusau kürzlich vorsichtshalber die Entwicklung von Bildelementen in Auftrag gegeben, die, scherenschnittartig, landestypische Wahrzeichen zeigen sollen.

Zu diesem Verfüg haben die Kollegen aus der Grafik unter anderem die typische Silhouette der Tower Bridge mit dem „London Eye“ genannten Riesenrad zusammengefügt; als Sinnbild für ein anderes Land haben sie sich die ziemlich unverkennbare Kontur des Matterhorns und die Türme des Zürcher Großmünsters ausgesucht. Wie es der Zufall wollte, haben sie die Ergebnisse bei Kaufmich & Dusau aber leider ausgerechnet an einem Tag vorgestellt, an dem die finanzkräftigen Gutgebildeten gerade mal wieder in die Klasse der wandelnden Hirntoten versetzt worden waren, die nix von der Welt kennen.

„Nee“, sagten die Leute von Kaufmich & Dusau zu Tower Bridge und Fahrgeschäft, „unsere Kunden halten das für Österreich. Wegen dem Riesenrad und so, nä?“ Und das Großmünster vor Matterhorn? Würden die unkundigen Kunden von Kaufmich & Dusau – festhalten! – natürlich für eine Moschee halten. Trotz der auf den Dächern der vermeintlichen zwo Minarette (hat eine Moschee nicht im Allgemeinen nur einen Turm?) deutlich zu erkennenden Kreuze (oder meinten die mit der Moschee vielleicht das Matterhorn? Man weiß es nicht).

Um zu diesen Schlüssen zu gelangen, mussten Kaufmichs & Dusaus wie üblich nicht einmal ihre Kunden befragen. Stattdessen haben die Mitarbeiter das veranstaltet, was sie gern eine „interne Mafo“ nennen – sprich: Mitarbeiter von Kaufmich & Dusau haben andere Mitarbeiter von Kaufmich & Dusau befragt. Die wissen nämlich nicht nur, was ihre Kunden wissen, sondern sogar, was die nicht wissen.

February 4, 2011

Feedback

Da kam grad so ein Feedbackdreck:

Wir sprechen ja vor allem die Leute zwischen 16 und 29 an. Und dafür müssten wir dann möglichst trendige Namen haben, die total hip klingen, aber auch schon so ein bisschen erklären, worum es geht, bzw. um was es sich handeln könnte (also es sollte schon klar sein, dass es nicht um Fußball geht! J).

Nicht zu lang, kein Zungenbrecher, sondern einfach nur cool.

Hilft dir das weiter?

-.-

January 20, 2011

In allen Ecken muss was stecken

Text ist ja nicht gleich Text, sondern Text gibt’s in verschiedenen Sorten. Das wissen Sie sicher noch aus der Schule.

 

Was Sie vielleicht noch nicht wussten: In der Werbung gibt’s sogar noch mehr Sorten als in anderen Bereichen des Lebens. Da ist zum Beispiel der so genannte Blindtext, den der gemeine Grafiker ins Layout dübelt, um dem Kunden vor Augen zu führen, dass man seine Broschüre nicht als reines Bilderbuch konzipiert hat. Zuweilen bemerkt der Kunde erst in diesem Moment, dass auch er eine Bringschuld hat und, tunlichst noch vor der Übergabe des Dokuments an den Drucker, die zur Erstellung des Textes notwendigen Informationen über Gabelstaplerzinken und -anbaugeräte beibringen sollte (bisher dachte Herr Lupfmann von Stapelmeier & Söhne, dass sei selbstverständliches Allgemeinwissen). Andernfalls steht nämlich später in der fertigen Messebroschüre noch „lorem ipsum“ oder auch „guaradisch nedunfeg“, und Firmenpatriarch Stapelmeier sen. bekommt einen seiner berüchtigten Tobsuchtsanfälle.    

 

Zuweilen überlebt der Blindtext aber auch im fertigen Dokument, wo er allerdings oft nur auf den zweiten Blick als solcher zu erkennen ist. In diesen Fällen hat der Kunde oder auch der von ihm beauftragte Grafiker beschlossen, dass die Seite in der Broschüre sonst „irgendwie nackt“ aussähe. Und da der Einkauf von Bildmaterial bekanntlich viel Geld kostet, Buchstaben hingegen für noppes zu haben sind („26 for the price of none!“), ist jetzt mal wieder die Ameisenspuren-Abteilung gefragt, ein bisschen was Ornamentales beizusteuern: Text als dekoratives Element, „damit auf der Seite was passiert“.  

 

Zuweilen nimmt das Prinzip „In allen Ecken muss was stecken“ freilich absurde Züge an. So hat uns Kunde Kaufmich & Dusau erst kürzlich wieder dazu verdonnert, eine kleine Textklinke zu verfassen.

 

Die sollte sich mehr oder minder schmuck im Umfeld eines stilisierten Zifferblatts tummeln, und erscheinen sollte beides auf der ersten Seite des Prospektes, in dem Kaufmich & Dusau Schweinebauch & Co. anpreist (was nicht im Sinne einer Untermarke zu verstehen ist, sondern fürs Lebensmittelsortiment stehen soll). Nun unterstellt unsereiner ja quasi-reflexartig, ein im Rahmen des Schweinebauch-Verkaufs geschwurbelter Text müsse eine für den Leser im weitesten Sinne nützliche oder doch zumindest erfreuliche Information transportieren.

 

Der Schluss, das Uhrensymbol und der erläuternde Text verwiesen, zum Beispiel, auf eine verlängerte Öffnungszeit, lag also durchaus nahe. Allein, weit gefehlt! Kaufmich & Dusau hatte vielmehr beschlossen, die geneigte Kundschaft von der dräuenden Umstellung der Uhr auf die Sommerzeit ins Benehmen zu setzen. Die geschieht bekanntlich am letzten Märzwochenende, und das dankenswerter Weise um 2.00 Uhr morgens – sprich: an einem Tag und zu einer Stunde, zu der erfahrungsgemäß vergleichsweise wenige Schweinebauch-Interessenten dem örtlichen Supermarkt die Bude einrennen. Allerdings hat die Frage nach Wieso, Weshalb und Warum Kaufmich & Dusau noch nie angefochten. Und weil unsereins so günstig ans ABC kommt, haben wir ihm den Wunsch nach der dekorativen Kurzprosa natürlich gern erfüllt.

December 21, 2010

Sagt der Kontakter so zum Texter …

_

K: Ey, wir haben in unserem Newsletter doch diesen Hinweis auf das Gewinnspiel XY. Wie können wir denn zusätzlich andeuten, dass es auf unserer Website noch viel mehr Gewinnspiele gibt?


T: Wir haben doch nur das eine.


K: Jaaaa. Neeee. In Zukunft wird es ja noch viel mehr geben.


T: Vorbeiklicken lohnt sich: auf FingerInDenPo-Mexiko.de gibt es immer viele tolle Aktionen, wie zum Beispiel das große Gewinnspiel HammerDing, bei dem Sie ein (beliebiges Kfz einfügen) gewinnen können.

 

K: …

 

T: …

 

K: Hmmmmm….

 

T: „Hmmmm“ was?!

 

K: „Zum Beispiel“ … klingt irgendwie total unwerblich.

 

T: WATT?!?

 

K: Ach komm, du weißt schon. Klingt doch irgendwie komisch.

 

T: Komisch?

 

K: Ich finde schon.

 

T: Und?

 

K: Keine Ahnung. Mich störts halt.

 

T: Na dann nehmen wir eben „beispielsweise“.

 

K: Willste mich verarschen?

 

T: Was?

 

K: Gibt es denn kein anderes Wort dafür … was werblicher klingt?

 

T: Wieso sollte es?

 

K: Jetzt sach doch ma!

 

T: Nein, gibt es nicht.

 

K: Klar. Denk doch erstmal drüber nach. Ich bin zwar kein Texter, aber da muss‘s doch was geben.

 

 

Der Texter kehrt in sich:

 

Hmmm. Okay, versuchen wir es doch mal mit diesem „Nachdenken“. Schließlich will ich mir ja nicht vorwerfen lassen müssen, für neue Dinge nicht aufgeschlossen zu sein.

 

Also: Der kleine beispielsweise und sein großer Bruder zum Beispiel waren noch nie die Hellsten, geschweige denn ambitioniert genug, im heutigen popkulturellen Vokabular Karriere zu machen. Sie wohnen immer noch bei Mutter Exempel und durchzechen die Nächte im Zum alten Wortschatz, einer runtergekommenen Rhetorik-Spielunke am Asbach. Hier kehren sonst nur zwielichtige Gesellen wie der alte Feilbieten oder der einäugige Gutdünken ein. Diese Schergen wegelagern oft in alten Schriften und lauern dort jungen Gelehrten auf, um sie aufs übelste zu verwirren. Wenn dann die Duden-Polizei eintrifft ist meist schon alles vorbei und die geistig umnachteten Opfer können nur noch in Satzworten wie „Ischwaisnisch!“, „Machsumischan?“ oder „Ersgutajunge!“ antworten.

 

Moment! Vielleicht stellt man sich hier die Frage, warum eigentlich eine werblichere Form dieser unauffälligen Nutzworte nötig seien sollte. Diese Frage zeigt ganz offen ein völlig veraltetes Verlangen nach Logik sowie ein geradezu pädophiles Bedürfnis nach einem kindlichen „Ach so, ja dann…“-Erlebnis. Solche Fragen sollte man aber nie laut oder jemand anderem als Harvey, dem unsichtbaren Hasen, stellen. Sonst gilt man schnell als Querulant oder Mecker-Mäulchen. Lieber direkt am Eingang das Hirn abgeben, sich ordentlich „commiten“ und mit einem dreifachen Hurra gegen die Wand rennen.

 

Aber wieder zurück zu den Beispiel-Brüdern. Es wird Zeit, dass die beiden endlich VerantWORTung übernehmen und sich für die moderne Werbelandschaft prostituieren. Zeit für ein Umstyling a la GNTM mit Haare ab und Pippi inne Augen:

 

Vorher:         zum Beispiel

Nachher:       Zoom!-Beispiellennium

 

Vorher:         beispielsweise

Nachher:       geilspielwiese

 

 

Sinnfrei mit Auszeichnung? Aber immer!

 

Werblicher? Ich denke doch.

 

Feierabend? Na endlich!