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November 24, 2009

Neu oder so ähnlich

Wirklich bedeutungsgleiche Wörter sind, zumindest im Deutschen, eher rar gesät. Warum auch nicht? Im Grunde ist sprachliche Variation ja ein ziemlicher Luxus. Oder haben Sie etwa jemals ein Synonym für, na, zum Beispiel, „neu“ vermisst? Wahrscheinlich nicht. Warum auch? Um mit der Dichterin Gertrude Stein zu sprechen: Neu ist neu ist neu – und eben nicht unbenutzt, ungebraucht, unverbraucht, fabrikfrisch oder was einem der Thesaurus sonst noch an sinnverwandten Wörtern anbietet.

Trotzdem verlangen Kunden einem immer mal wieder ab, so zu tun, als grabe man in der Wortschatztruhe angestrengt nach bislang unentdeckten (na, gemerkt?) Perlen. „Da müssten Sie dann schreiben: ‚Jetzt neu bei uns’ oder so ähnlich“, heißt es dann.

Wahlweise wird die Anforderung kess erweitert um ein „Aber schreiben Sie das jetzt bitte nicht wörtlich!“ Weil aber ein „Nein“ bei Kunden in der Regel ebenso schlecht ankommt wie einer der zahllosen komplett bedeutungsgleichen Begriffe („Nee“, „Isnich“, „Höhö“), kapriziert sich der Texter in der Folge seufzend auf die vermeintliche Erfüllung des Auftrags. Was hier soviel heißt wie: ein gutes Dutzend weniger guter Schein-Alternativen von „Heute morgen erst in unser Sortiment aufgenommen“ bis zu „Wir haben schon, was Sie anderswo noch vergeblich suchen“ durchzuhecheln. Angesichts derer der Kunde dann fragen darf: „Ach, warum schreiben wir eigentlich nicht ‚Jetzt neu bei uns’?“

Ja, warum eigentlich nicht?