Alle Jahre wieder
Jede Wette, der Grinch war Texter. Bis er sich nach der drölften Weihnachtskampagne grün ärgerte und beschloss, fortan nur noch einen stylishen Backenbart zu tragen. Und Weihnachten zu zerstören. Frei nach dem Motto: “Mach kaputt, was dich kaputt macht.”
Ich kann ihn verstehen. Außerdem möchte ich, dass andere mich verstehen, wenn ich Punkt Heiligabend eine kleine Mail nach Pjöngjang schicke mit den Worten: “Dear Mr crazy Dictator, please push the Button.” Deshalb werde ich jetzt mal mit einigen urbanen Mythen über Weihnachten Schluss machen, Texter-Style:
Irrtum #1: Weihnachten ist am 24.12. (oder 25., oder 26.)
Ja, das ist falsch. Tatsächlich beginnt Weihnachten irgendwann Anfang April. Dann nämlich kommen die ersten Planungsgenies in Marketingabteilungen auf die Idee, dass man jetzt unbedingt eine neue Weihnachtskampagne braucht. Aber nur keine Hektik, muss erst nächste Woche fertig sein. Dieses total vorausschauende Verhalten hat übrigens zwei ganz tolle Effekte. Zum einen ist der Sommer im Arsch, bevor er begonnen hat (vielen Dank dafür), zum anderen kommt in schöner Regelmäßigkeit irgendwann Ende November die Order, die Weihnachtskampagne neu zu machen, weil die ja keiner mehr sehen kann. Und die muss dann wirklich nächste Woche fertig sein. Willkommen in der Texter-Hölle…
Irrtum #2: Weihnachten ist ein christliches Fest
Stimmt nicht. Zumindest nicht in den Köpfen derer von Marketing. Denn eine Regel gilt auch alle Jahre wieder: “Mach mal Weihnachten. Aber keine Religion.” Richtig, hat ja auch überhaupt nichts damit zu tun. Religion beginnt übrigens schon bei einem Begriff wie “himmlisch”. Das hat dann zur Folge, dass wir letztlich nur auf diverse Variationen von “Frohes Fest” zurückgreifen können. Wenigstens dürfen wir noch Weihnachten sagen. Noch. Bis einer liest von einem Bekannten erfährt, dass Weihnachten was mit Religion zu tun hat.
Irrtum #3: Der Weihnachtsmann sagt “Ho, ho, ho”
Nein, er sagt: “Hö, hö, hö!” und meint uns, das Werbeproletariat. Schließlich hat er es geschafft, ein regelmäßiges wiederkehrendes Folterinstrument zu etablieren. Das macht ihm Spaß, denn er ist fies. Und er war früher Top-Manager in einem Handelsunternehmen. Bis er so wahnsinnig geworden ist, dass man ihn nicht mal mehr in der Marketingabteilung einsetzen konnte.
Irrtum #4: “Last Christmas” ist ein tolles Weihnachtslied und sollte bei jeder Gelegenheit gespielt werden
Nein.