Der multioptionale Verbraucher: heute ungebildet, morgen nicht.
Seine Kunden zu kennen ist heute ja wichtiger denn je. Schlaue Menschen haben deshalb Modelle entwickelt, in denen Konsumenten nicht einfach Konsumenten sind, sondern, z. B., „moderne Performer“ oder „Postmaterielle“.
Allem Anschein nach hat Agenturkunde Kaufmich & Dusau sogar eine eigene Verbraucher-Typologie entwickelt. Nix Genaues weiß man allerdings nicht, weil Kaufmich & Dusau Informationen, aus denen andere Kunden schon mal Briefings machen, in der Regel als geheime Verschlusssache betrachten, die nicht einmal für den Dienstgebrauch an die Agentur weitergereicht werden darf. Die Art und Weise, wie sich die Mitarbeiter von Kaufmich & Dusau über die Kunden des Unternehmens äußern, lässt allerdings vermuten, dass zwei der Kundentypen „Dem Blöden sein Gehilfe“ und „Wandelndes Lexikon mit praller Brieftasche“ heißen dürften.
Was das Klassifizierungssystem von Kaufmich & Dusau einzigartig macht, ist seine ungeheure Flexibilität: In Abhängigkeit von Jahreszeit, Mondphase und nicht näher bekannten Imponderabilien wechseln nämlich Kunden aus der einen in die andere Klasse (umgekehrt natürlich auch).
So kann ein Kunde von Kaufmich & Dusau anscheinend in einem Moment weltgewandt genug sein, um im Spezialitätenregal von Kaufmich & Dusau „Macaroni & Cheese“ und anderen Convenience-Produkte aus den USA zu suchen, gleich im nächsten Moment aber wiederum zu blöde, um zu wissen, dass „Uncle Sam“ nicht der Erfinder der gleichnamigen Klamottenmarke ist. Für Feinschmecker, die des Lesens unkundig sind, hat Kaufmich & Dusau kürzlich vorsichtshalber die Entwicklung von Bildelementen in Auftrag gegeben, die, scherenschnittartig, landestypische Wahrzeichen zeigen sollen.
Zu diesem Verfüg haben die Kollegen aus der Grafik unter anderem die typische Silhouette der Tower Bridge mit dem „London Eye“ genannten Riesenrad zusammengefügt; als Sinnbild für ein anderes Land haben sie sich die ziemlich unverkennbare Kontur des Matterhorns und die Türme des Zürcher Großmünsters ausgesucht. Wie es der Zufall wollte, haben sie die Ergebnisse bei Kaufmich & Dusau aber leider ausgerechnet an einem Tag vorgestellt, an dem die finanzkräftigen Gutgebildeten gerade mal wieder in die Klasse der wandelnden Hirntoten versetzt worden waren, die nix von der Welt kennen.
„Nee“, sagten die Leute von Kaufmich & Dusau zu Tower Bridge und Fahrgeschäft, „unsere Kunden halten das für Österreich. Wegen dem Riesenrad und so, nä?“ Und das Großmünster vor Matterhorn? Würden die unkundigen Kunden von Kaufmich & Dusau – festhalten! – natürlich für eine Moschee halten. Trotz der auf den Dächern der vermeintlichen zwo Minarette (hat eine Moschee nicht im Allgemeinen nur einen Turm?) deutlich zu erkennenden Kreuze (oder meinten die mit der Moschee vielleicht das Matterhorn? Man weiß es nicht).
Um zu diesen Schlüssen zu gelangen, mussten Kaufmichs & Dusaus wie üblich nicht einmal ihre Kunden befragen. Stattdessen haben die Mitarbeiter das veranstaltet, was sie gern eine „interne Mafo“ nennen – sprich: Mitarbeiter von Kaufmich & Dusau haben andere Mitarbeiter von Kaufmich & Dusau befragt. Die wissen nämlich nicht nur, was ihre Kunden wissen, sondern sogar, was die nicht wissen.