Brot gut, Feuer schlecht
Die Werbebranche gibt sich gerne modern, unangepasst, avantgardistisch und so total crazy verrückt. Alles Quatsch.
In Wirklichkeit kenne ich keinen Wirtschaftszweig, der so sehr von Aberglaube dominiert ist und in dem einmal gelernte Glaubenssätze mit einem derartigen Feuereifer verteidigt werden - ganz gleich ob sinnvoll oder nicht. Ehrlich, gegen manchen Werber waren die Inquisitoren echt aufgeschlossene Zeitgenossen.
Das wichtigste Gebot für alle Werbetaliban dabei ist: “Nie was Negatives!”
Grundsätzlich ja eine gute Idee. Dumm nur, dass die Definition von negativ in hohem Maße subjektiv ist und in meinem Fall in den Händen superfanatischer Hohepriester liegt, die hinter jedem Komma ein Negativ vermuten. Beispiel gefällig?
Letzte Woche durfte ich mir die gefühlt hunderttausendste Bezeichnung für irgendwelche “Superpreise” meines geliebten Getränkekunden aus meinem gefolterten Hirn quetschen. Pflichtbewusst wie immer machte ich einige Vorschläge, einer davon war “Outlet-Preise”. In rekordverdächtig kurzer Zeit erhielt ich von dem zuständigen Kontakter eine Hass-Mail zurück, in der mir ein empörtes “Das geht alles gar nicht.” entgegengeiferte, schließlich sei “Outlet total negativ” und überhaupt, das würde Gott der Kunde auf keinen Fall gutheißen.
Stimmt. Wie konnte ich nur vergessen, dass in Outlet-Centern der Antichrist persönlich herrscht? Dass es dort Hunde mit Katzen treiben, dass dort Kinder geopfert und Frauen geschändet werden? Wie konnte ich nur denken, dass es dort stark reduzierte Markenware gibt? Danke, oh Papst der Werbung, dass du mich wieder ins Licht geführt hast!
Am Ende wurden es übrigens Piraten-Preise. Das ist natürlich nicht negativ. Sind ja nur Entführer, Halsabschneider und Erpresser. Aber was weiß ich schon…