We’re Gonna Need a Bigger Boat
Das Leben als Kapitalist ist furchtbar einfach. Wenn irgendwas von dem Zeug, das ich verkaufe anbiete nicht läuft, dann ist nicht etwa das Produkt scheiße, sondern die Werbung. Die ist dann wahlweise zu leise, zu indirekt, zu unauffällig, zu kompliziert oder sonst irgendwas mit “zu”.
Und da wir grundsätzlich zwar am Ende der Nahrungs- aber am Anfang der Erklärkette stehen, dürfen wir uns dann mit Aufgabenstellungen herumschlagen, die in Etwa so lauten: “Erkläre unglaublich und unnötig kompliziertes Verfahren so, dass unsere Kunden das ganze unglaublich und unnötig komplizierte Verfahren sofort auf genetischer Ebene internalisieren und zudem total knorke finden, obwohl sie ihre bodenlose Idiotie schon dadurch bewiesen haben, dass sie dämlich genug waren, ihren Fuß über unsere Schwelle gesetzt zu haben. Traurige Trottel!”
Oder kurz gesagt: “Ich nix schuld! Kunden: doof, Werbung: arsch!”
Beispiel:
Vor kurzem kam einer unserer Kunden auf uns zu und beschwerte sich gar bitterlich darüber, dass in einem seiner Märkte in Hippenhappenhausen der Zigarettenabsatz um gut 35% abgerauscht ist und dass dieser Absturz gleichzeitig mit der Einführung eines neuen, supertollen Technik-Gadgets kam, dem Smoky-o-mat. Der Smoky-o-mat ist sozusagen der hippe, iPod-touch-mäßige Nachfolger dieser oldschool Gitterkörbe, aus denen man sich die Kippen einfach so rausnehmen konnte.
Da so ein analoger Mist aber irgendwie nicht “beta” genug ist und keine coole Touch-Oberfläche hat, musste er natürlich ersetzt werden. Wer also jetzt in besagtem Markt Zigaretten kaufen möchte, greift nicht mehr einfach beherzt zu, sondern drückt auf der Touch-Oberfläche den Button mit seiner Marke und wartet dann darauf, dass die Packung aus einer Schütte am anderen Ende des Smoky-o-maten rausgeschossen wird. So weit, so einfach.
Weh dir aber, willst du mehr eine Schachtel haben! Dann geht nämlich die große Rechenolympiade los. Will man beispielsweise zwei Schachteln erwerben, drückt man nicht etwa zweimal auf die Taste mit seiner Marke, sondern “einfach” auf die 2-Packungen-Taste, die sich auf der Vorderseite des Automaten befindet und dann auf die Taste mit seiner Marke. Klar soweit? Ok, wenn ich jetzt also 4 Packungen mein Eigen nennen möchte, drücke ich die 2-Packungen-Taste, dann die Taste mit meiner Marke und wiederhol das ganze, richtig? Falsch.
Für solche Fälle gibt es natürlich die 4-Packungen-Taste, logo! Übrigens kann man auch nicht einfach vier Mal auf die Einzeltaste drücken, denn dann bekommt der Smoky-o-mat *beta* nervöse Zuckungen und geht kaputt. Richtig lustig wird es aber, wenn ich nun mehr als 4 Packungen haben möchte, sagen wir 7 Schachteln als Wochenvorrat. Die einzig richtige Vorgehensweise wäre dann wie folgt:
1. 4-Packungen-Taste drücken
2. Taste mit meiner Marke drücken
3. warten
4. 2-Packungen-Taste drücken
5. Taste mit meiner Marke drücken
6. warten
7. Einzel-Taste mit meiner Marke drücken
8. warten
9. mich fragen, ob die mich verarschen wollen
10. wo anders hingehen
Insbesondere die Punkte 9 und 10 wurden von den Kunden am häufigsten befolgt und natürlich blieb das den Füchsen in der Marktleitung vor Ort nicht verborgen. Glücklicherweise wussten Sie aber sofort, was zu tun ist.
Sie wandten sich an uns, mit dem Hinweis, dass diese winzig kleinen Erklärungstexte, die wir zuvor auf den Smoky-o-maten gemacht hatten, offensichtlich von keinem verstanden worden sind. Deshalb gibt es für die Rauchwaren-Absatzkrise in Hippenhappenhausen auch nur eine Lösung:
Wir brauchen ein größeres Schild!