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June 7, 2010

Rettet die heisse Luft!

Wie wir ja schon recht häufig beschrieben haben, werden Texter gerne mal als eine Art Taskforce gesehen, die auch aus dem hinterletzten Murks mit einem Wort mal eben auf die Schnelle was total Grandioses machen soll.  
Vor allem dann, wenn beim Kunden wieder irgendein ganz Schlauer seinem Chef eine Idee verkauft, der dieses Dings – Wie heißt das nochmal? Achja: gesunder Menschenverstand! – völlig abgeht. So, wie in diesem Paradebeispiel:

Einer unserer Kunden veranstaltet jedes Jahr recht große Familienfeste mit Musik, Gewinnspielen und jeder Menge Werbebrimborium. Dieses Mal nun sollte zusätzlich an einem Stand eine bestimmte Produktlinie vorgestellt und mit Promotionmaßnahmen begleitet werden. Nachdem wir also einige Vorschläge gemacht hatten, kam unser Kunde mit seiner eigenen “Idee” um die Ecke, die natürlich umgesetzt werden musste:     

Jede Familie erhält am Eingang einen Luftballon! Und als wär das alleine nicht schon toll genug, steckt in jedem Luftballon noch ein Los, mit dem die Familie ganz fantastische Sachen gewinnen kann. Gut, in Wirklichkeit steckt in jedem Ballon nicht etwa ein Los, sondern ein Rabattgutschein, aber wenn man das vorher verrät, ist doch die ganze Spannung weg. Wer in diesem Zusammenhang übrigens das böse Wort Kundenverarsche in den Mund nimmt ist ein Spaßmuffel und Spielverderber oder kurz: unprofessionell. Schließlich ist das Geniale an dieser Idee ja das hier: 

Die Leute werden das Ding mit nach Hause nehmen und danach wochenlang dem (Achtung!) gebrandeten Ballon gespannt dabei zusehen, wie er nach und nach die Luft verliert, bis er endlich das ersehnte Los freigibt. Nach geschätzten vier Wochen hat sich das Markenlogo dann unlöschbar in das Hirn der gesamten Familie sowie allen Besuchern und Freunden eingebrannt und macht sie so zu willenlosen Kaufzombies. 

Auf die Idee, dass außerhalb von Marketingabteilungen so etwas wie intelligentes Leben existiert, ist im allgemeinen Jubel über die zu erwartende Weltherrschaft natürlich niemand gekommen. Deshalb kam die Erkenntnis, dass viele den Ballon einfach sofort kaputt machen werden, um an das Los zu kommen auch erst ziemlich spät. Glücklicherweise hatten diese ausgefuchsten Vollpfostenprofis dann aber sofort die Lösung parat: 

Der Texter soll sich einen schönen Satz überlegen, der den Leuten klarmacht, dass sie den Ballon nicht zerstören müssen, weil die Luft schließlich von ganz alleine entweicht.

Das wird helfen.