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August 20, 2010

Weniger Liebe, mehr Realismus, Anna!


Eine Telenovela, die in einer Werbeagentur spielt, spiegelt nicht die Wirklichkeit wider – da erzähle ich Ihnen, hoffentlich geneigter Leser, sicher nichts Neues. Trotzdem wünschte ich mir zuweilen, die Dialoge in den einschlägigen Serien orientierten sich zumindest dann und wann etwas mehr an dem, was mir in meiner täglichen Arbeit für meinen Kunden Kaufmich & Dusau täglich zu Ohren gelangt. Bei der Gestaltung von Werbeprospekten etwa bekommt man Dinge zu hören, die man sonst wirklich nirgends zu hören bekommt, und die wirklich denkwürdig sind.

Da fallen zum Beispiel Sätze wie „Das Kind ist zu pixelig“ oder „Die Wurst liegt nicht auf dem Server!“ Im Alltag außerhalb einer Werbeagentur eher selten zu hören ist sicher auch die Frage danach, ob es diesen oder jenen Käse „auch hoch auflösend“ gebe. Die TV-Version des Werbealltags hingegen, so wirkt das jedenfalls auf mich, besteht aus einer Aneinanderreihung von Szenen, in denen Pärchen mit großen Augen auf Monitore starren und auf den Desktops passwortverschlüsselter Rechner irgendwelche Dateien finden, die irgendwer irgendwem entwendet hat: „Du, das ist doch die Präsentation von Jonas – wie kommt die denn auf Mias Rechner!? Diese kleine Schlampe … ! “ Jaja, schon gut, solche Sachen mögen vorkommen, und nicht jeder Kollege schmückt sich gern mit eigenen Federn, aber das ist doch kein Stoff für jede zweite Folge.

Stattdessen würde ich gern mal Sätze wie den folgenden hören, den ich erst kürzlich einer telefonierenden Beraterin abgelauscht habe: „Wir haben den Fischverkäufer mit dem Lachs gespiegelt, damit alle Fische auf der Seite in die gleiche Richtung gucken.“ Also, liebe SAT.1-Drehbuchautoren, bitte nachbessern - weniger Datenklau und stattdessen etwas mehr echter Kreativen-Jargon, bitte!